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Australien
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New South Wales | Queensland | Northern Territory | Western Australia

Am 08.04.2001 kam ich nach Sydney, dessen lautes und überwältigendes Flair so gar nichts mit dem einsamen und weiten Australien gemein hatte, wie ich es erwartete. Also fuhr ich auf schnellstem Wege nach Süden, weg von der Metropole, hinein in den Dschungel des Royal National Parks. Schon hier bestätigten sich alle Ankündigungen zur herzlichen australischen Gastfreundlichkeit (Danke Neville!). Langsam absorbierte ich das australische Lebensgefühl, auch wenn ich die Einheimischen anfangs nur in Bruchstücken verstand. Wer konnte mir schon sagen was "howsitgarnmait" oder "weryahedn" bedeutete... Nach tiefroten Sonnenuntergängen in Jervis Bay und einsamen Fahrten durch den Morton Nationalpark steuerte ich von der Küste weg in Richtung Canberra und Snowy Mountains. Anfang Mai startete ich von Thredbo zur Besteigung des Mt. Kosciusko, dessen Gipfel ich nie erreichen sollte...

Nach zwei Wochen im Krankenhaus von Canberra, Operation am gebrochenen Bein und anschließender Reha erreichte ich den aufrechten Gang zurück mit Hilfe vieler herzlicher Menschen, die ich nie vergessen werde. Wieder zwei Wochen später verließ ich meine Unterkunft in der Australischen Hauptstadt - zwar noch an Krücken, diesmal aber auf vier Rädern. Schließlich hatte ich noch ein gesundes Bein zum gasgeben.

Zurück in Sydney erwartete ich meine Schwester Christiane am Flughafen. Im Gepäck hatte sie 7 Wochen und ihr Fahrrad. Opera House, Harbour Bridge, Stadtzentrum. Diesmal konnte auch ich Gefallen daran finden. Die Blue Mountains waren für mich eher ein Härtetest meiner Gehfähigkeiten, als das Naturerlebnis an sich. Zusammen verließen wir New South Wales nach Norden - nach Queensland! Endlose Zuckerplantagen, subtropische Regenwälder und das Outback. Fraser Island bestaunten wir nur aus der Luft, da meine Krücken nicht im Sand laufen wollten. Erst in Townsville trennten wir uns von dem tropischen Grün, um den Kontinent in Richtung Westen zu durchqueren. Die endlose Weite und die Einsamkeit des Outbacks ließen sich vom Steuer des Autos aus kaum begreifen. Stundenlang geradeaus über Straßen, die kaum breiter als das eigene Fahrzeug waren, immer dem Sonnenuntergang entgegen. Nach Mount Isa erst in Alice Springs zurück in der Zivilisation, wenngleich nur als Zwischenstopp auf dem Weg ins Rote Zentrum. Gewaltig, übermächtig, fast magisch und vor allem rot lag es da, das Herz des Kontinents - der Ayers Rock oder Uluru, wie ihn die Aborigines nennen. Nur ansatzweise konnte ich die Kultur der Ureinwohner erahnen, die sich hier überall in der Natur des Northern Territory widerspiegelte. Einige hundert Kilometer weiter stiegen wir durch die Schluchten der Mc. Donalds Ranges bevor wir uns auf den Weg nach Darwin, der nördlichsten Stadt Australiens machten. Meine Krücken brannten wie Fackeln am nächtlichen Sternenhimmel. Christiane zählte schon ihre letzten Tage in Australien. Doch bevor wir uns verabschiedeten, durchstreiften wir noch die Wildnis der Litchfield und Kakadu Nationalparks. 7 Wochen sind eine kurze Zeit.

Der Ford Falcon verkaufte sich für mehr als ich ihn ursprünglich gekauft hatte. So konnte ich meine Reisekasse wieder ein wenig aufbessern und neue Pläne schmieden. Ich verlängerte kurzerhand mein 6-Monats-Visum und verließ Darwin am 07.08.2001 - diesmal im Sattel meines Fahrrades. Ganz ohne Klimaanlage und Sonnenschutz brauchte ich einige Tage, ehe ich der winterlichen Hitze gewachsen war. Eine Kanutour in der Kathrine Gorge bot sich da als willkommene Abkühlung. In Katherine verließ ich den Stewart Highway in Richtung Westen, auf dem Victoria Highway nach Perth. Hier begann für mich die einsamste Strecke Australiens. Bis zum nächsten Ort waren es 500 km Steppe und Einsamkeit, bis nach Perth über 4.000 km. Die endlose Landschaft Westaustraliens lehrte mich neue Erfahrungen von denen ich bisher nur in Büchern gelesen hatte. Ich kämpfte nicht mehr gegen Berge, gegen die Hitze, den Wind oder die Fliegen - hier musste ich gegen mich selbst kämpfen. Meine Psyche, die ständige Frage nach dem Sinn und das Wissen, dass ich wochenlang nichts anderes sehen würde außer der geraden, in der Sonne flimmernden Straße und der ewigen Weite. Aber wie so oft kam alles anders und wieder einmal durchkreuzten die Einheimischen meine Vorstellungen. Ich erlebte eine ungeahnte Verbundenheit zwischen den Menschen in der Einöde, ein Willkommensein, jeden Abend, wenn ich mich auf eine der Rest-Areas (Übernachtungsstellen) entlang des Highways einfand um mich ans Feuer zu den anderen Reisenden zu gesellen. Trotz des zeitweisen Rekordgewichtes meines Fahrrades - manchmal bis zu 80 kg - verliebte ich mich in die endlose Reise und die Ruhe und das Gefühl der Freiheit. 1.800 km nach Darwin erreichte ich den Indischen Ozean in Broome. Von hier waren es weitere 600 km entlang Ozean und Großer Sandwüste bis Port Headland. 200 km südlich raubte mir der wohl schönste Nationalpark Australiens den Atem: Zusammen mit Kurt, einem Schweizer, den ich unterwegs getroffen hatte, hoplerte ich über nervenraubende Wellblechpisten zu den Schluchten von Karijini. Zurück an der Westküste schnorchelte ich in Coral Bay mit bunten Fischen um die Wette und weiter südlich pausierte ich tagelang in Kalbarri, da ich auf neue Teile für mein Rad warten musste. Von den Zähnen meiner Fahrradantriebe waren inzwischen nur noch stumpfe Überreste da, also hatte ich - da billiger - neue Teile aus Deutschland geordert. Als ich am 15.10.2001 in Geraldton eintraf und erwartungsvoll die Post betrat, fand ich allerdings von meiner Bestellung noch keine Spur. Leider erwischte mich hier eine böse Grippe, mit der ich bei 40'C Fieber im Zelt bleiben musste. Die Wiese hinter einer kleinen Kirche empfand ich als angemessen, um die Krankheit auszuschwitzen. Als sich aber nach Tagen noch immer keine Besserung einstellte, wurde ich langsam unruhig und schleppte mich mit letzter Kraft zum Arzt. Hätte dann das Antibiotikum nicht angesprochen, wäre ich wohl wieder im Krankenhaus gelandet. Inzwischen musste mein verwaistes Zelt wohl auch in der Nachbarschaft aufgefallen sein, denn ich erhielt eine Einladung zum Frühstück am nächsten Morgen. Im Haus meiner Gastgeber Ted und Kay verbrachte ich den nachfolgenden Monat, bis ich körperlich wieder in der Lage war, meine Route weiterzuverfolgen. Die unglaubliche Gastfreundschaft und familiäre Atmosphäre im Haus der Beiden werde ich nie vergessen (und Euch hoffentlich schon bald wieder sehen!). Am schwersten ist immer der Abschied.

Die letzten Tage vor Perth führten mich entlang des Great Northern Highways zu den skurrilen Pinnacles und den endlosen Stränden bis nach Perth. In Fremantle, dem Hafen von Perth, fand ich sofort Gefallen an Flair und Geselligkeit und wurde auch dort wieder bei Einheimischen aufgenommen. Mein Bruder Raphael schrieb, er würde im Dezember nach Neuseeland fliegen, also buchte ich mein Ticket nach Auckland. Den letzten Monat verbrachte ich im erfrischend grünen Südwest-Australien und radelte voller Begeisterung durch riesige Eukalyptuswälder bis nach Albany. Am 09.12.2001 verließ ich Australien von Perth.

Ausrüstung
Wasser für Radfahrer