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Es war nicht leicht gewesen, mein Fahrrad in den Zug nach Moskau zu bekommen. Das Ticket hatte ich über einen freundlichen Mitarbeiter des Chinese International Travel Service (CITS) per E-Mail reserviert. Das kostete kaum mehr als am Bahnhof, war aber deutlich einfacher, da man dort Englisch sprach. Die Kiste mit dem Fahrrad musste ich allerdings schon einen Tag vor Abreise am Bahnhof abliefern. Ohne die Hilfe des Hotelbesitzers wäre das sicher zum Problem geworden. Er fuhr mich persönlich zum Bahnhof, verständigte sich mit den "Einweisern", die uns gegen eine kleine "finanzielle Zuwendung" zu der hinter dem Bahnhof versteckten Annahme für sperrige Gepäckstücke geleitete. Alle Formulare gab es ausschließlich in chinesischer Sprache, sodass seine Hilfe unentbehrlich war. Meine Kiste wurde dann gegen einen moderaten Aufpreis verladen mit dem Hinweis, an der russischen Grenze gut darauf zu achten, dass sie nicht "versehentlich" entladen werden würde...
Nervös stand ich am 11.06.2003 am Hauptbahnhof in Peking. Die Schlangen waren lang, da niemand ohne Fieber zu messen die Station passieren durfte. Obwohl ich mich schon besser fühlte, hatte ich sicherheitshalber noch eine Aspirin eingeworfen. Die Wagen zeigten stolz "Beijing - Ulaan Baatar - Moscow". Platz für mein Gepäck war eher wenig, der Zug war zum großen Teil mit mongolischen Händlern belegt, die ihre Unmengen an Waren überall im Abteil stapelten. In diesem Augenblick war ich eher froh, das Reich der Mitte zu verlassen - nach all den Problemen der vergangenen Wochen. Dass diese Freude nicht lange anhalten würde, sondern ich China bald vermissen werden würde, hatte ich mir schon damals gedacht.
Die Grenze zur Mongolei in Erenhot war schnell erreicht, die Formularitäten nur Nebensache. Hier mussten an jedem Wagen die Fahrgestelle gewechselt werden, da die Spur in Mongolei und Russland breiter ist. Sieben Stunden später setzte sich der Zug endlich wieder in Bewegung. Wie gebannt klebte ich am Fenster und beobachtete die vorbeiziehende Steppe, die Yurten, wilde Pferde und sogar Kamele. Am späten Abend begann dann die gleiche Prozedur an der Grenze zu Russland. Diesmal musste ich allerdings seitenlange Zollerklärungen für mein Fahrrad ausfüllen und eine kleine Gebühr entrichten. Alles schien seriös zuzugehen, bis man mir 2 Minuten vor Abfahrt erklärte, es sei ein Fehler im Formular aufgetreten. Es wurde unbemerkt ausgetauscht, ohne dass ich seine Richtigkeit prüfen konnte oder feststellen konnte, dass meine Unterschrift gefälscht war. Da ich die russischen Anmerkungen nicht übersetzten konnte und noch die Warnung des Beamten aus Peking im Kopf hatte, stürmte ich am nächsten Tag in das Gepäckabteil, wo ich zu meiner Erleichterung feststellte, dass die Kiste unberühert war.
Im russischen Speisewagen genoss ich die Fahrt entlang des Baikalsees nach Irkutsk, Krasnoyarsk und Novosibirsk. In meine Gesellschaft hatte sich inzwischen die feucht-fröhliche russische Kultur gemischt und Michéle. Michéle pausierte gerade ihre Arbeit als Lehrerin in Peking und war auf dem Weg nach Paris. Omsk, Yekaterinburg, Perm, Yaroslavl ... Europa! ... die Zeit verging wie im Flug. Nach 6 kurzen Tagen und 7.900km später standen wir am 16.06.2003 am Yaroslavlski-Bahnhof in Moskau. Mein Fahrrad durfte ich gegen Vorlage der Formulare persönlich beim Zugführer entgegennehmen.
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